Dr. Franz Graf-Stuhlhofer

Franz privat

Adelheid Und Franz Von einem Historiker erwartet man, dass er sein Leben chronologisch geordnet darstellt und wichtige Jahreszahlen hervorhebt. Hier ist also mein entsprechend angeordneter Lebenslauf (wie ich ihn im Jahr 2002 schrieb):

 

1955 erstmals geboren
1972 nochmals geboren
1980 Studium abgeschlossen
1988 fünf Bücher veröffentlicht
1990 Gemeinde gewechselt
1994 Heidi geheiratet

 
 
Nun will ich die einzelnen Stationen meines Lebens noch detaillierter ausmalen.

Geburt + Kindheit

1955 wurde ich in Wien geboren, wo so ziemlich mein ganzes weiteres Leben verlief.
Auch rechnerisch ungeübte Leser werden unschwer erraten, dass dieses Geburtsjahr meine Herkunft in das vergangene Jahrtausend verweist. Das bedeutet vor allem:
Viel Grund zur Dankbarkeit!
Wenn ich für jeden Tag dankbar bin, der mir geschenkt wurde, dann macht das – Moment mal, da muss ich rechnen – 365 mal 49, das sind etwa 18tausend Gründe zur Dankbarkeit!!




Nicht, dass jeder Tag schön war ...
Mein Gehör ist nicht gut, und so verstand ich als Kind vieles nicht, was gesagt wurde. Das fanden manche andere Kinder lustig, und manche Erwachsene ärgerlich

Die Folgen bei mir:
Ich war unsicher (weil ich den Erwartungen nicht entspreche!), eher schweigsam, in der Schule unkonzentriert (da das Zuhören anstrengend war).




Und sonst: Es tröstete mich, dass meine Mutter unbedingt zu mir hielt; in meiner Hilflosigkeit wandte ich mich an Gott, dem ich meine Wünsche sagte.

Und medizinisch: Ich brauchte ein Hörgerät – das war tatsächlich eine große Hilfe, die ich aber erst allmählich schätzen lernte (d.h. ich trug es oft nicht – aber z.B. beim Fußballspielen und beim Sprung ins Wasser wäre es auch wirklich ungünstig gewesen).
 


In der Mittelschule war ich schwach, insbesondere das Latein machte mir zu schaffen. Meine Mutter fand heraus, dass ich dieses nicht brauchte, wenn ich in die Handelsakademie wechselte – und so geschah es. Beim Eignungstest hatte ich das beste Ergebnis meiner Klasse, und diese Ergebnisse standen für alle Lehrer stets sichtbar im Klassenbuch; dementsprechend hoch waren ihre an mich gerichteten Erwartungen – und ich entsprach ihnen (wie ich zuvor auch den – aufgrund meiner bisherigen Leistungen - geringen Erwartungen meiner Mittelschul-Lehrer voll entsprochen hatte!). Vielleicht bin ich hier ein Musterbeispiel dafür, was Psychologen bei Ratten beobachten ...

Neugeburt

Meine Eltern, ein älterer Bruder, Freunde, Schule, Sport … – das waren meine Lebensbereiche. Ja, und auch die Religion war ein solcher Bereich – ein Bereich neben anderen. Ich besuchte regelmäßig die katholische Messe, und ich redete mit Gott über meine Anliegen.
Dann lernte ich jesuszentrierte Christen kennen. Deren Fixierung auf Jesus war etwas mir noch Unbekanntes, aber ich war angesprochen davon: Einfach so offen über Glauben reden, ohne jede Schüchternheit …? 



Religion war bei mir ein Bereich neben anderen – aber was ist das schon, wenn Gott die Mitte meines Lebens sein sollte! Dieser große Abstand zwischen Sollen und Sein wurde mir bewusst, eine niederschmetternde Erkenntnis für mich, der ich dachte "ohnehin schon seit langem Christ zu sein".
Ich war aber bereit zu einer Änderung: Ich sagte im Gebet zu Jesus, dass er über mein Leben bestimmen sollte (das war 1972).
Einige Monate danach bemerkte ich eine Veränderung in mir: In den Jahren davor neigte ich zu zwanghaftem Grübeln, nun war das weg! Derartige Veränderungen halfen mir, manche Aussagen des Neuen Testaments zu verstehen, etwa Jesu Aussage: "Du musst von neuem geboren werden …" (Johannes- Evangelium 3)




In meine weiteren Lebensentscheidungen versuchte ich, Gott miteinzubeziehen, etwa im Hinblick auf die Zeit nach der HAK-Reifeprüfung (1974) …

Studium


Promotion: Franz prüft den Inhalt der Schachtel.

Was jetzt? Beruf? Mission? Studium? …
Ich entschied mich für ein Universitäts-Studium, und begann mit Physik und Geschichte. Ich wollte sowohl im naturwissenschaftlichen als auch im historischen Bereich kompetenter werden, da in beiden Bereichen der christliche Glaube hinterfragt wird. Passend zu meinem weltanschaulichen Interesse stieß ich auf die Geschichte der Naturwissenschaften.



Franz als Student der Wissenschaftsgeschichte in Aarhus

Das Geschichte- Studium schloss ich mit dem Doktorat ("Doktor der Philosophie", 1980) ab, meine naturwissen- schaftlichen Studien brachte ich später in Dänemark zu einem Abschluss ("Bachelor of Science", 2002). Ein Doktorat in Theologie – ein großer Teil meiner Forschungen gehört in dieses Fach - fehlt mir (noch) …


Erste Bücher

Entsprechend meiner vielfältigen Interessen kamen mir in verschiedenen Fächern Ideen, die ich ausarbeitete und in wissenschaftlichen Zeitschriften publizierte.

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Und auch Bücher entstanden. Mehrere davon erschienen zufällig ziemlich gleichzeitig, im Jahr 1988 (die Vorarbeiten dafür reichen aber Jahre zurück – ich muss das betonen, damit mich niemand für einen Viel- und Schnellschreiber hält!). Es handelte sich um wissenschaftliche Bücher zur Geschichte der Naturwissenschaften: "Lohn und Strafe in der Wissenschaft", sowie zur Kirchengeschichte: "Der Gebrauch der Bibel von Jesus bis Euseb". Daneben kamen auch allgemeinverständliche christliche Bücher heraus: "Naturforscher und die Frage nach Gott" wendet sich an dem Glauben Fernstehende.


Die römisch-katholische Kirche im Hintergrund.

Zu meiner kirchlichen Entwicklung gehörte auch die Auseinander- setzung mit der römisch- katholischen Lehre: "Zu Heiligen beten?" und "Symbol oder Realität? Taufe und Abendmahl". Diese "kirchliche Entwicklung" verlief in mehreren Schüben…


Gemeindewechsel

Nach meinem geistlichen Wendepunkt verließ ich meine bisherige Kirche, ließ mich taufen und wurde Mitglied der evangelikalen Freikirche Wien-Tulpengasse. Später beteiligte ich mich an einem Gemeindegründungsprojekt der Tulpengasse, das aber nach mehreren Jahren beendet wurde. Somit stellte sich die Frage: "wohin jetzt?" Im Zuge meiner theologischen Beschäftigung hatte ich mich auch mit Glaubensbekenntnissen befasst, und dabei war ich von der "Rechenschaft vom Glauben" der deutschsprachigen Baptisten sehr beeindruckt, und zwar wegen Form (Sprache, Aufbau) und Inhalt (Reflexion). So dachte ich mir: "Die Baptisten passen zu mir" (oder umgekehrt), und ich wurde Mitglied in der Baptistengemeinde Wien-Mollardgasse (1990).
Hier erlebe ich großen Respekt vor einzelnen Menschen: vor dem einzelnen Gemeindeglied, dessen Initiativen auch von der Gemeindeleitung ernst genommen werden, und vor den Menschen außerhalb der Gemeinde, auch vor solchen, die von uns weggehen.

 


Kinderandacht mit Franz und seinem Maulwurf

Manches, was ich hier tue, kann ich gemeinsam mit meiner Frau Heidi tun: Etwa die "Kinder- beiträge" im Gottesdienst – ich rede mit dem Maulwurf (einer Handpuppe) und bewege ihn, während Heidi versteckt und mit verstellter Stimme für ihn spricht.
Oder gemeinsame Kabaretts, zuletzt mit Texten aus der Jubiläums- Festschrift der Baptisten – diese erscheint DEMNÄCHST! –
Doch dazu mussten wir erst zusammen-
finden …


Kabarett mit Heidi und Franz:
Auszüge aus Texten zur Festschrift 50 Jahre Bund
öst. Baptistengemeinden


 

Heirat

Heidi Graf wurde 1959 in Mistelbach geboren und kam zum Studium der Soziologie nach Wien (1986 "Magister", in ihrer Diplomarbeit untersuchte sie die religiöse Einstellung bei Mariazell-Wallfahrern). Sie gehörte – wie ich - lange Zeit zur Gemeinde Wien-Tulpengasse. Dort lernten wir einander kennen und hatten ein kameradschaftliches Verhältnis zueinander. Sie ist eine beliebte Gesprächspartnerin; da sie eine gute Menschenkenntnis hat, auch resolut auftreten kann und großes Interesse für Schulungskonzepte hat, landete sie beruflich im Bereich "Personalwesen" (seit 2003 zuständig für Personalentwicklung bei IKEA Wien-Nord). Ihre beiden Jahre auf dem Missions-Schiff DOULOS (um 1990 – erfreulicherweise gingen seither eine ganze Reihe von Österreichern als Mitarbeiter auf ein Schiff von Operation Mobilisation) brachten ihr eine in vieler Hinsicht wertvolle Horizonterweiterung.


Elisabeth, Franz, seine Mutter Frieda, Heidi
Das war lange, bevor ihnen klar wurde,
dass sie zusammengehören.

Jedenfalls kannten wir einander schon mehr als ein Jahrzehnt, bis uns beiden klar wurde, dass wir zusammen- gehören; 1994 heirateten wir. Seither kann ich Gott nicht nur für jeden Tag danken, sondern auch für jeden Tag mit Heidi.


Heidi bei "Abenteuerland" im Keller der Mollardgasse
(Heilung des Blindgeborenen)

Geadelt durch Adelheid: Während meine früheren Bücher unter "Stuhlhofer" liefen, erschienen die neueren bereits unter "Graf-Stuhlhofer" …


Franz steht der Sand bis zum Hals :-)

Dozentur abgelehnt


Wohin führt der Weg???

Meine Forschungs-Beiträge wurden von wissenschaftlichen Zeitschriften akzeptiert. Das ermutigte mich, eine Unterrichtstätigkeit an einer Universität anzustreben. Ich wollte also Universitäts-Dozent werden; im Hinblick auf Originalität, Zuverlässigkeit, Menge und Vielfalt meiner wissenschaftlichen Veröffentlichungen wäre das auch kein Problem gewesen. Ein Problem zeigte sich jedoch bei der Einordnung: Was bin ich eigentlich? Philosoph/ Wissenschaftsforscher? Naturwissenschaftshistoriker? Neuzeithistoriker? Theologe? An der Universität sind Fachvertreter gefragt, d.h. Vertreter von jeweils einem bestimmten (an der Universität vorhandenen) Fach. 

Die heute vielgerühmte "Interdisziplinarität" ist zwar ein modernes Schlagwort, das jedoch für eine Universitätskarriere (Doz., Prof.) kaum Bedeutung hat. Wichtig ist es, das eine betreffende Fach zu beherrschen – alles andere ist nebensächlich. Nach dem Urteil der Habilitationskommission entsprechen meine wissenschaftlichen Arbeiten einer Dozentur für das Fach "Wissenschaftsgeschichte". 

 


Warten auf den Zug!

Allerdings wurde schließlich meine Lehrbefähigung verneint (2002). Unter einem guten Lehrer verstand die Kommission – gemäß dem traditionellen Ideal eines "Gelehrten" – jemanden, der (innerhalb seines Faches) zu jeder Frage viel zu sagen weiß. Dagegen verstehe ich den Lehrer eher als Trainer, der den Schülern mehrere Schritte voraus ist und sie entsprechend anleiten kann (in diesem Sinn entwickelte ich mich und meine Unterrichtsweise).
Was ich seit zwei Jahrzehnten anstrebte, gelang also nicht. Die Frage, worauf ich mich konzentriere, stellt sich jetzt noch stärker. Denn nur indem ich mich auf wenige Aufgaben konzentriere, indem ich mich in bestimmte Themen hineindenke, kann ich diese erfassen und durchdringen. Auf diesem Weg entstanden auch meine Bücher.
Gott im Mittelpunkt – das muss immer wieder auch konkret werden, daher stellt sich die Frage. Worauf will Gott meine Aufmerksamkeit hinlenken?

Dankbarkeit für die vergangenen Tage – aber auch für jene Tage, die noch vor mir liegen. IHM gehören, und auf IHN hören – das will ich alle Tage bis ans Ende meines Lebens!